Genial Zentral - Schmalkalden (1. Preis)
Architekten: Dipl.- Ing. (FH) Sebastian Großkopf, Freier Architekt, Gotha; Dipl.- Ing. Anett Mertins, Freie Architektin, Gotha
Stadtplaner: Dr.- Ing. Holger Schmidt, Architekt für Stadtplanung, Dessau
Landschaftsarchitektin: Dipl.-Ing. (FH) Katrin Gruber, Garten- und Landschaftsarchitektin, Gotha;
Thomas Fischer, freier Mitarbeiter: Dipl.- Ing. für Raum- und Umweltplanung Dessau
 
ANSTOSS & PRINZIPIEN
Eine angepasste Neubebauung im Quartier erfordert zunächst das Ordnen und Parzellieren des historischen Baubestandes Obertor 2-50. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird sich das Baufeld nur schrittweise "füllen". Daher werden die künftigen Parzellen mit einer farblichen Markierung aus Schotter und ¹Perennemix - Stauden versehen. Das Farbenspiel versteht sich als Analogie an die bunte Fachwerkstadt Schmalkalden. Das Baugebiet erhält von Anbeginn an ein eigenes unverwechselbares positives Image.
PLATZRAUM OBERTOR
Die Verlagerung der Ortsdurchfahrt (L1026) ermöglicht die Umgestaltung des Platzraumes Obertor zu einem neuen Stadteingang. Durch den verkehrsbedingten Rückbau des Obertors 19 entsteht ein weithin sichtbarer Schaugiebel, der alle Gäste herzlich willkommen heißt. Herzlich Willkommen in Schmalkalden - Fachwerk & Reformation    Als zentrales Motiv für die Zonierung und Gestaltung des Platzes wird der Verlauf des ehemaligen Kunstgrabens aufgegriffen und interpretiert. Verschieden große Flusssteine (massive Klamotten bis hin zu feinem Flußkies) werden im ehemaligen Grabenbett verbaut. Sie dienen als Verweilplätze, überfahrbare Platzfläche oder Pflanzsubstrat. Auch die Bepflanzung mit Erlen zitiert den nahen Flussraum der Schmalkalde.
¹ PERENNEMIX
Der Name "Perennemix" leitet sich aus sich aus dem lat. Begriff "perennis" = ausdauernd ab. Unter perennierenden Pflanzen sind "Stauden" bzw. Staudenmischungen gemeint. In diesen Mischungen werden die Mengenanteile der einzelnen Pflanzen nach den Faktoren Blütezeit, harmonische Farbenzusammenstellung, Textur, Größenwachstum, Habitus, Wuchsverhalten und Konkurrenzdenken definiert. Eine Bereicherung mit Zwiebelpflanzen ist wünschenswert. Perennemix-Pflanzungen sind pflegeextensiv, langlebig und damit kostengünstiger als traditionelle Bepflanzungen. Die so markierten Flächen bleiben das ganze Jahr über abwechslungsreich und blühen vom Frühjahr bis in den Herbst hinein - selbst im Winter zeigen sie noch eine schöne Struktur. ¹Perennemix ein Forschungsprojekt (1998-2003) an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg (Sachsen-Anhalt) unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfram Kircher (Fachbereich Landespflege) www.perennemix.de
TERRASSIERUNG & DACHLANDSCHAFT
Besonders im zentralen Altstadtbereich blieb eine ausgeprägte Dachlandschaft erhalten. Funktionell sind die hohen Dachflächen und Räume heute nicht mehr notwendig. Dennoch wurde der Gestalttypus des Satteldaches aufgegriffen und entsprechend an die moderne Wohnform angepasst.
UMSETZUNGSPLAN
Phase I
- Stabilisierung der bestehenden Wohnbebauung Obertor 2-50
In enger Abstimmung zwischen Eigentümern und Stadt, gilt es zunächst den neu gewonnenen Freiraum für die Entwicklung des Baubestandes zu nutzen. Mit Hilfe einer konsequenten Grundstücksarrondierung erhalten alle Eigentümer eine deutliche Verbesserung ihrer wohnungsnahen Freiräume (Hoffläche, Gartenland, Stellplatz etc.).
Phase II - Herrichten des neuen Baufeldes
Die vorbereiteten Erschließungswege (Am Kunstgraben, Gesenkschmiedeweg) werden als Mischverkehrsflächen mit allen notwendigen Medien ausgebaut. Abgeleitet von der bunten Fachwerktradition werden die künftigen Baugrundstücke mittels Schotter und Perennemix - Staudenbepflanzungen¹ farblich markiert. Das Baufeld ist somit von Beginn an gestaltet und hat nicht den Charakter einer langfristigen Baustelle. Die verbindliche Anpflanzung von standortgerechten Bäumen in Straßenräumen (Eberesche, Zierobst) und Hausgärten (Obstbäume) verleiht dem Quartier zudem ein blühendes positives Image.
Phase III - Schrittweise Bebauung des Baufeldes Die interessierten Baufamilien suchen sich anhand der farblichen Markierungen ihr passendes Baugrundstück aus. Inmitten der aufblühenden Staudenflächen werden die Grundstücke schrittweise vergeben und bebaut. Das zeitlich befristete Nebeneinander von bebauten und unbebauten Flächen wird aufgrund der Bepflanzungen als angenehm empfunden.